Der Fall

Mitte September, in einer Nacht vom Montag auf den Dienstag, stirbt die polnische Edelprostituierte J. (†25) im Zürcher Nobelhotel Dolder Grand. Offenbar beim Würge-Sex. Dem Täter Robert S. (47) gelingt es, die Leiche in seinen Wein-Klimaschrank an der Goldküste zu schleppen. Dort lag sie noch, als er neun Tage später verhaftet wurde.

Der Täter

Robert S. war Stammkunde von J. Er ist auch sonst bekannt in den Saunaclubs rund um Zürich. Robert S. lebte vor seiner Verhaftung in einer schönen, aber nicht extrem edlen Duplex-Wohnung in Küsnacht ZH. Er arbeitete in den Neunzigerjahren bei der Schweizerischen Kreditanstalt (heute CS).

2001 wechselte er als Anlagechef zur Aargauischen Pensionskasse (APK). Diese hat 39 000 Versicherte und ein Vermögen von 8,7 Milliarden Franken – ist also gross.

Robert S. war nicht nur ein stiller Anlage-Manager, sondern er meldete sich auch zu Wort. Zumindest in den ersten Jahren. 2002 war er in den Medien, weil er nach einem Skandal alle «Rentenanstalt»-Aktien der APK abstiess. Der Asset Manager wurde auch international gehört. So hat ihn das «Wall Street Journal» mehrfach zitiert.

Robert S. investierte die Milliarden der Beamtenpensionskasse neben Immobilien und Obligationen neu auch in Hedge Fonds, Rohstoffe etc. Er ging also höhere Risiken ein – im Rahmen der Anlagerichtlinien der Pensionskasse.

Ende 2011 hat sich Robert S. überraschend beruflich verändert. Offiziell führte er «die APK umsichtig durch die letzten elf sehr anspruchsvollen Anlagejahre» (Geschäftsbericht). Allerdings war sein letztes Jahr desaströs:  Die APK musste eine Minus-Rendite von 3,5 Prozent hinnehmen und der Deckungsgrad sank markant auf 92,4 Prozent.

Was Robert S. danach beruflich machte, ist nicht bekannt. Fest steht, dass er 2012 in Küsnacht null Einkommen versteuerte. Und nur 120 000 Franken Vermögen. Das ist für einen Mann seines Kalibers relativ wenig und deutet auf heimliche Geldabflüsse hin.

Das Opfer

J. wuchs in einer gutbürgerlichen Familie im Süden von Polen auf. Nach der Matura begann sie in Breslau Padägogik und Englisch zu studieren. Später suchte sie in Warschau Arbeit. Dann reiste sie regelmässig in die Schweiz und jobte unter dem Namen «Kathleen» als Prostituierte. Etwa im Sexclub «Bumsalp» in Dübendorf ZH. Alleine dort dürfte sie monatlich zwischen 10 000 und 15 000 Franken verdient haben. Was die Polin daneben mit Einsätzen wie im «Dolder» alles einnahm, ist nicht klar. Man spricht von fünfstelligen Summen – pro Kunde. Fest steht: Ihre Eltern wollen nichts von Puff-Tätigkeiten der Tochter gewusst haben.

Das zweite Opfer

Die Lebenspartnerin von Robert S. Sie wusste nichts von den perversen Neigungen ihres Freundes und muss nun damit klarkommen, über zehn Jahre neben diesem Mann geschlafen zu haben. Gegen sie wird nicht ermittelt.

So geht es weiter

Der Kriminalfall des Jahres ist für die Untersuchungsbehörden eine rechtliche Knacknuss. Deshalb informiert sie zurückhaltend. Hat Robert S. die Prostituierte mit Absicht getötet, wäre es Mord oder vorsätzliche Tötung. Passierte es unabsichtlich während des Würge-Sex, könnte man von einem Eventualvorsatz sprechen.  Das heisst, er hat in Kauf genommen, dass sie beim Liebesspiel stirbt.

Das Hauptproblem: Es waren nur zwei Personen dabei. Und von denen kann eine nicht befragt werden, weil sie nicht mehr lebt.